OL37 vs. Boca Seniors Viktoria (18.10.2026)
Comeback im Hinrundenabschluss – OL37 überwintert auf der 1
Spielbericht von Nelio Flückiger
Es war angerichtet für den letzten Tanz der Hinrunde. Am Sonntagmorgen um 11 Uhr empfing Tabellenführer Olympique Troissept die Boca Seniors Viktoria, die nach der Fusion zweier Mannschaften – darunter das ehemalige Cholewärk Viktoria – neu in der Liga mitmischen. Die Temperaturen waren frostig aber alle Protagonisten heiss.
Bereits eine Stunde vor Anpfiff standen beide Mannschaften auf dem Platz, um sich auf die bevorstehende Schlacht vorzubereiten. Und eine Schlacht sollte es tatsächlich werden.
Von der ersten Minute an schenkten sich die beiden Mannschaften keinen Zentimeter Rasen. Boca legte los wie die Feuerwehr und setzte die Olympioniken früh unter Druck. Die Devise für den Tabellenführer war zunächst klar: die erste Viertelstunde überstehen, hinten dichtmachen und gemeinsam dagegenhalten. Mit vereinten Kräften gelang dies auch. Nach und nach fand Olympique besser in die Partie, befreite sich aus der Umklammerung und tauchte seinerseits erstmals gefährlich vor dem gegnerischen Gehäuse auf.
Nach rund einer halben Stunde dann die grosse Gelegenheit: Noah wurde im gegnerischen Strafraum unsanft von den Beinen geholt. Der Unparteiische zeigte auf den Punkt. Nelio schnappte sich das Leder und übernahm die Verantwortung. Doch der gegnerische Schlussmann parierte! Der Ball prallte von einem Pfosten zum anderen und blieb schliesslich auf der Torlinie liegen. Nelio reagierte am schnellsten und drückte das Leder zum vermeintlichen Führungstreffer über die Linie. Der Jubel war gross – jedoch von kurzer Dauer. Der Schiedsrichter verweigerte dem Treffer die Anerkennung. Seine Begründung: Der Torhüter habe den Ball zuvor bereits vollständig unter Kontrolle gehabt. Eine Entscheidung, die bei Olympique für reichlich Kopfschütteln sorgte.
Die Riesenchance war dahin, das Momentum verpufft. Und wie lautet eine der ältesten Fussballweisheiten? Wer sie vorne nicht macht, bekommt sie hinten.
Es kam wie es kommen musste. Nach einem Eckball für Boca und einem heillosen Durcheinander Strafraum kullerte der Ball plötzlich über die Linie. 0:1. Doch auch dieser Treffer blieb nicht ohne Kontroverse. Mehrere Olympique-Spieler reklamierten vehement, Torhüter Gigi (Quentin) sei im Getümmel festgehalten und schliesslich zu Boden gerissen worden. Die Pfeife blieb jedoch stumm, der Treffer zählte.
Spätestens jetzt kochten die Emotionen hoch. Harte Zweikämpfe, hitzige Wortgefechte und zahlreiche Diskussionen bestimmten das Geschehen. Der Schiedsrichter liess die Karten stecken, obwohl die eine oder andere Verwarnung durchaus angebracht gewesen wäre. Fussballerisch wurde es zunehmend zerfahren, und so verabschiedete sich Olympique mit einem knappen, aber schmerzhaften Rückstand in die Kabine.
Die Marschrichtung für die zweite Halbzeit war klar: weniger lamentieren, mehr kombinieren. Statt sich weiter mit den Entscheidungen des Unparteiischen auseinanderzusetzen, wollte Olympique wieder das tun, was die Mannschaft an die Tabellenspitze gebracht hatte – Fussball spielen.
Doch kaum war die Partie wieder angepfiffen, folgte der nächste Nackenschlag. Eine herrliche Flanke segelte in den eigenen Strafraum, wo ein Boca-Stürmer sträflich alleingelassen wurde. Dieser hatte alle Zeit der Welt, sich den Ball zurechtzulegen und zum 0:2 einzuschieben. Eiskalt aus Sicht der Gäste, eiskalt auch für die Gemüter der Spieler in Blau-Weiss.
Spätestens jetzt dürften die ersten Anhänger innerlich bereits den Heimweg angetreten haben. Zwei Tore Rückstand, ein zerfahrenes Spiel und ein Gegner, der vor keinem Zweikampf zurückchreckte. Doch wer Olympique in dieser Hinrunde verfolgt hat, weiss: Diese Mannschaft ist erst geschlagen, wenn der Schiedsrichter zum letzten Mal pfeift.
Und tatsächlich: Die Aufholjagd begann.
Alex schlug einen weiten Ball in die Offensive, wo Lian das Spielgerät mit einer butterweichen Ballannahme unter Kontrolle brachte. Der darauffolgende Abschluss war mindestens ebenso sehenswert. Technisch einwandfrei und für den Torwart unhaltbar. 1:2! Olympique war zurück im Geschäft.
Plötzlich kippte die Partie. Olympique übernahm das Kommando, dominierte das Mittelfeld und drängte Boca immer tiefer in die eigene Hälfte. Der Ausgleich lag förmlich in der kalten Herbstluft.
Und dann kam Livio.
Der weit aufgerückte Innenverteidiger, offenbar für einen kurzen Moment seines defensiven Arbeitsvertrags überdrüssig, liess gleich zwei Gegenspieler ins Leere laufen. Rund 20 Meter vor dem Tor fasste er sich ein Herz und zog ab. Der Ball schlug unhaltbar im Winkel ein. Ein absoluter Sonntagsschuss – an einem Sonntag! Ein Treffer der Marke Traumtor, ein regelrechter Screamer, der die Partie endgültig auf den Kopf stellte. 2:2!
Was nun folgte, war nichts für schwache Nerven. Beide Mannschaften wollten mehr als nur einen Punkt, doch insbesondere Olympique drängte mit aller Macht auf den Siegtreffer. Die spielerische Überlegenheit im Mittelfeld war mittlerweile deutlich, und immer wieder erspielte sich der Tabellenführer vielversprechende Möglichkeiten. Doch entweder fehlte die letzte Präzision, ein gegnerisches Bein stand im Weg oder das nötige Quäntchen Glück blieb aus.
Auch Boca blieb gefährlich und sorgte dafür, dass die Olympique-Defensive bis zum Schlusspfiff hellwach bleiben musste. Am Ende blieb es aber beim 2:2. Ein Unentschieden, das angesichts des gesamten Spielverlaufs durchaus als gerecht bezeichnet werden darf.
Die Mannschaft von Coach Sebel bewies an diesem Tag Charakter und Moral. Trotz dieses ärgerlichen Punktverlustes darf Olympique Troissept mit breiter Brust in die Winterpause gehen. Die Hinrunde ist Geschichte, der Platz an der Sonne bleibt. Olympique überwintert als Tabellenführer.
Die Temperaturen mögen sinken, doch die Ambitionen bleiben heiss. Die Konkurrenz darf sich warm anziehen.
Bilder vom Spieltag werden noch nachgereicht.
